Are you ready to exchange your old clothes with the best active wear deals? | Find out more

Oh Hej! Are you ready to exchange your old clothes with the best active wear deals? | Find out more

Was ist Binge Eating?


Von Selbsthass und Magerwahn, zurück zu Bodypositivity - Heute teilt Natalie (universalie_) bewegende und eindrucksvolle Momente auf ihrem Weg zurück zur Bodypositivity. Danke, Natalie, für diesen Beitrag!  

„Du bist zu dick.“ „Mach doch mal Sport.“ Hast du zugenommen?“ Mit solchen Fragen und Aussagen wurde ich schon in jungen Jahren konfrontiert. Vor allem Familie und enge Freunde tätigten gewissenlose Aussagen über mein Gewicht, ohne sich im Klaren darüber zu sein, welche Auswirkungen das auf meine Psyche hat oder noch haben könnte. Vor allem die Kommentare meines Papas haben mir weh getan. Er war mit meinem Gewicht nie zufrieden. Er zwang mich zum Sport und treibte mich in die Essstörungen.

Wie alles begann

Vier Jahre lang lebte ich in einer toxischen Beziehung. Ich hatte keine freie Entscheidung mehr in und über meinen Alltag. Kontakt zu Männern, ob Klassenkameraden, Freunde oder aus der Familie, wurde mir gänzlich verboten und ich durfte nicht die Kleidung tragen, die ich wollte. Selbst meiner Leidenschaft, dem Tanzen, durfte ich nicht mehr nachgehen. Dieser Kontrollverlust regte bei mir eine psychische Störung an. Ich versuchte meine Kontrolle über das Essen wieder zurück zu erlangen. Das Essen gehörte nur mir. Ich selbst konnte über das Was und das Wann entscheiden. Anfang des Jahres 2016 habe ich damit begonnen Kalorien zu zählen. Nach den ersten Erfolgen auf der Waage bemerkte ich: je weniger ich esse desto schneller nehme ich ab. Jeder kleinste Happen musste fortan abgewogen und protokolliert werden. Innerhalb eines halben Jahres habe ich mich auf 48,0 kg herunter gehungert. Mit einer Körpergröße von 169 cm, zählt dieses Gewicht zum gefährlichen Untergewicht. An „guten“ Tagen schaffte ich es sogar gar nichts, oder nur einen Apfel am Tag zu essen. Diese Willensstärke machte mich wahnsinnig stolz. Ich habe täglich sechs bis acht Liter Wasser getrunken, um das Hungergefühl zu unterdrücken. Dieses Verhalten ist sehr gefährlich, wie ich im Nachhinein erfahren durfte. Bei zu viel Wasser im Körper, kann es zu einer Wasservergiftung kommen. Aber der erhöhte Wasserhaushalt in meinem Körper, war nur einer der wenigen negativen Aspekte vom „Schlanksein“. Fast zwei Jahre lang hatte ich keine Periode, Haarausfall, Kreislaufbeschwerden und einen zu geringen Blutdruck. Die Unfruchtbarkeit ist mir bis heute geblieben.  

Die schleichenden & gravierenden Folgen

Ich habe nichts gegessen, wenn ich allein zu Hause war. Und gegessen, wenn jemand da war. So ist es nicht aufgefallen, dass ich Die Aufnahme meiner täglichen Kalorien bis auf das Wenigste reduziert hatte. Ich bin kilometerweite Strecken mit dem Hund spazieren gegangen und fast täglich zum Sport gefahren. Ich habe mich von rohem Gemüse ernährt und geweint, wenn ich abends noch Hunger hatte und die Gedanken an den Muffin, der noch im Kühlschrank stand, nicht loswerden konnte. Dennoch habe ich mir meine Krankheit nicht eingestanden. Als ich immer mehr abgenommen hatte, weil mein Essverhalten schon zur Normalität geworden war und ich das Wassertrinken als Durst deklarierte, habe ich mir eingeredet ich hätte Diabetes. Ich hatte eine verzerrte Selbstwahrnehmung. Ich habe mich jeden Morgen gewogen und ein Gewichtstagebuch geführt, doch mein Spiegelbild zeigte mir nicht das was ich wirklich war. Erst beim Betrachten von Fotos, habe ich manchmal gedacht „Oh, du bist aber dünn geworden.“ Mittlerweile empfinde ich sogar Ekel, wenn ich mir die Fotos von früher anschaue. Mit dem Ende der Schulzeit und dem Beginn des Studiums beendete ich auch meine Beziehung. Ich fühlte mich sexy, erwachsen, wunderschön und unabhängig. Endlich wohnte ich in meiner ersten eigenen Wohnung, ohne jemanden, der versucht mir etwas vorzuschreiben. Bei Kommentaren anderer: „Du bist zu dünn!“, „Iss mal was!“, habe ich mich stolz und willensstark gefühlt. Als ich schon realisiert hatte, dass meine Beziehung zum Essen krankhaft geworden war. Als ich sogar dazu bereit war, mir ärztliche Hilfe zu holen, konnte mein Körper nicht mehr. Es kamen die ersten Essattacken, erst eine, dann zwei, dann mehrere in der Woche. An die Erste kann ich mich noch haargenau erinnern: Am 25.12.2017 war ich allein zu Haus und habe mir den Bauch mit Lebkuchen, Weihnachtsschokolade und Plätzchen vollgegessen. Mir ging es danach so schlecht, dass ich meinen Freunden für diesen Abend abgesagt und lieber allein zu Hause geblieben bin. Am Anfang waren die Essanfälle noch rar und ich nannte die Tage, an denen sie auftraten Cheat-days.

Binge-Eating auf den Punkt gebracht

Binge-eating hieß meine neue Krankheit. Mit dieser Selbstdiagnose bin ich sogar zum Therapeuten gegangen. Leider brachten die vielen Einzel- und Gruppentherapien keinen Erfolg. Und wieder die Kommentare der anderen: „Du bist zu dick.“ „Hast du zugenommen?“ „Du warst doch mal so dünn.“ Ich fühlte mich eklig, fett, abstoßend. Bei dem Anblick meiner selbst habe ich geweint und auch jedes Mal, wenn der Knopf der nächsten Hose nicht mehr zu ging. Ich wollte meine Disziplin wieder zurückgewinnen. Wo war die Willensstarke, einst so schlanke junge Frau abgeblieben? Ich fühlte mich, als hätte ich eine zweigeteilte Persönlichkeit in mir. Die eine Seite versuchte mir bei jedem Gang zum Kühlschrank den nächsten Schritt zu verbieten. Sie wusste, dass es falsch war. Doch diese Seite verlor. Die andere esssüchtige Seite war einfach stärker. Nach jedem Tag, an dem ich eine Essattacke hatte, versuchte ich wieder zu hungern. Doch das hungern löste wieder neue Anfälle aus. Ich war müde, ausgelaugt. Fühlte mich süchtig nach Zucker und Ungesundem. Ich habe mir Bücher gekauft, um mich selbst zu therapieren. Ich habe sie nie gelesen. 

Wenn man sich nicht selbst liebt, kann man auch niemand anderen Liebe schenken. Ich habe mir Gefühle vorgespielt, die große Liebe eingeredet und bin an zwei Beziehungen gescheitert.

Der Weg zurück zur Selbstliebe

Man soll die Liebe nicht suchen, sie kommt zu dir, du musst nur Geduld haben. Und sie kam. Wir haben uns sogar zusammen einen Hund gekauft. Mein Partner unterstützt mich, nimmt mich so wie ich bin und sagt mir, dass ich schön bin. Das gibt mir Kraft und stärkt mein Selbstbewusstsein.  

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet. Ich gehe regelmäßig trainieren. Manchmal sogar vier bis fünf Mal in der Woche. Aber ich trainieren nicht, um Gewicht zu verlieren, sondern um essen zu können. Gewogen habe ich mich schon seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Ich möchte stark sein und ein positives Körpergefühl bekommen. Sogar die Freude an Mode habe ich wieder für mich entdeckt. 

Das Verhältnis zu meinem Vater konnte ich bis heute leider nicht wiederaufbauen. Er war und ist mein größter Kritiker. Tattoos, Piercings, bunte Haare. Das alles fällt nicht in sein Idealbild der Tochter. Wir haben uns mehr und mehr distanziert, aber das ist in Ordnung. Denn ich lebe für mich und nicht für ihn oder für andere.  

Im Reinen mit sich selbst

Und was ist mit den Essattacken? Manchmal habe ich noch ein oder zwei Mal im Monat einen Rückfall. Ich lasse mich aber nicht unterkriegen, sondern bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Das kochen und backen machen mir Spaß und ich habe Freude daran, neue Dinge auszuprobieren. Ich gehe gern in die Natur und entdecke neue Orte. Ich fühle mich wieder gut, bin mit mir im Reinen und liebe das Leben. Wir alle sind schön und sollten unabhängig unser eigenes Leben führen, mit all seinen Höhen und Tiefen. Und zwar nach eigenem Ermessen und dem persönlichen Streben nach Glück. Das Leben ist zu kurz, um unzufrieden mit sich selbst zu sein, denn verschenkte Zeit gibt uns keiner zurück. 

xx Eure Natalie

 


Net Orders Checkout

Item Price Qty Total
Subtotal €0
Shipping
Total

Shipping Address

Shipping Methods